Meine Berufung finden!

Meine Berufung finden
Wenn ich über Berufung nachdenke, kommen mir zwei Menschen vor Augen, die mir vor vielen Jahren in zwei unterschiedlichen Gemeinden begegnet sind:

Die erste Person nenne

ich Ulrich. Er ist Mitte 40, Chef eines Marktes und Familienvater. Er nimmt sich Zeit für sein Hobby, lebt in einem schönen Haus in bester Lage. Dann kommt es zu einem wirtschaftlichen Engpass. Als nichts mehr geht, bricht die Verzweiflung über sein Leben herein: „Was mache ich hier nur? So habe ich mir mein Leben nicht vorgestellt! In meine Arbeit wurde ich von meinen Eltern reingedrängt. Jetzt komme ich nicht mehr raus.“ Totale Verzweiflung und Resignation sprechen aus allen seinen Äußerungen. Er vernachlässigt Ehe und Familie, in der Gemeinde ist er nicht mehr zu sehen. Frust pur. So kann es enden, wenn einer seine Berufung nicht findet und irgendwann feststellen muss: Ich lebe ein Leben, das nicht ich bin, das nicht zu mir passt.


Die andere Person nenne ich Hans. Er ist ebenfalls verheiratet, hat Kinder, ob er ein Haus hat, weiß ich nicht. Von frühester Kindheit an kannte er  nur ein Thema: ÖPNV!  Als ich ihn als Jugendlichen kennenlernte, kannte er sämtliche technische Daten aller möglichen Lokomotiven und Reisebusse. Er kannte unglaublich viele Abfahrtszeiten von Bahn und Bus. In seiner Freizeit plante er Touren für Linienbusse. Als er mich ein paar Jahre später besuchte, hatte er eine leitende Aufgabe in den Verkehrsbetrieben einer größeren Stadt. Er schwärmte von seiner Frau, seiner Familie und war rundum glücklich, sein Hobby zum Beruf gemacht   zu haben. Er lebte seine Berufung. Und ich erlebte ihn als einen ausgeglichenen Mann, mit beiden Beinen auf dem Boden und aktives Gemeindeglied.


Zwei unterschiedliche Lebensläufe mit unterschiedlichen Antworten auf   eine der entscheidensten Fragen unseres Lebens:
* Was ist meine Berufung?
* Wozu bin ich da?
* Warum lebe ich?
* Was ist meine Identität?
Wie immer unsere Antwort auf diese Fragen ausfallen mag: Sie ist entscheidend für mein Selbstwertgefühl, mein Auftreten und mein Wohlbefinden.
Wer arbeitslos wird, kann sehr schnell merken, was das mit einem Memschen macht: Abhängigkeit von sozialen Systemen, das Gefühl, überflüssig zu sein, nicht gebraucht zu werden; Depression, Teilnahmslosigkeit, Resignation bis hin zur Selbstaufgabe.

Unser Selbstverständnis, unsere Identität lässt sich nicht davon trennen, ob wir unsere Berufung, unseren Platz im Leben gefunden haben. Diese Suche nach meiner Berufung, meinem Platz kann sehr unterschiedlich aussehen:

Wo finde ich meine Identität?
Ein paar sehr gegensätzliche Beispiele, wie man seine Identität, seine Berufung finden kann:

…in der Selbstverwirklichung
Man lebt nach dem Motto: Die Menschen sind schlecht, jeder denkt an sich, nur ich denk an mich. Oder: Wenn jeder an sich denkt, ist doch an alle gedacht! Am Ende zählt: mein Haus, mein Auto, mein Boot, mein Erfolg. Man lebt nur einmal, da muss alles drin sein. Darum Ellenbogen raus und mit wenig Rücksicht auf Verlust kämpft man sich nach oben.

Manchen gelingt das, aber um welchen Preis?
Ohne Scherbenhaufen zu produzieren, geht das nicht. Denn Leben geschieht immer gemeinsam mit anderen. Leben ist immer Beziehung! Und was steht am Ende der Erfolgsleiter? Sehr oft die Einsamkeit, zumindest, wenn man sich rücksichtslos nach oben gearbeitet hat. Spätestens am Ende der Erfolgsleiter oder im Ruhestand kommt dann doch die unausweichliche Frage: Soll das alles gewesen sein?

Einige Jahre arbeitete ich in einem Großraumbüro in Frankfurt. Dort hatte ich eine Kollegin kurz vor der Rente. Sie schob die Krise pur! Ihr drohte der Ruhestand - was sollte sie dann nur machen? Dann ist das Leben vorbei! Ein paar Monate später besuchte ich sie in ihrer Wohnung. Sie saß allein im Zimmer und haderte. Sie wusste nichts mehr mit ihrem Leben anzufangen. Über die Arbeit in der Bank hatte sie ihr ganzes Leben definiert, das war für sie ihre Berufung - doch diese Zeit war endgültig vorbei.

... in der Hingabe
Das ist oft in sozialen und geistlichen Berufen die Motivation: Kein Opfer, kein Einsatz, der anderen hilft, ist zu groß. Schlechte Bezahlung wird für ein dankbares Lächeln in Kauf genommen, Hauptsache man übt eine sinnvolle  Tätigkeit aus.
Das kann man auch im persönlichen Leben als Berufung leben: Man opfert sich gern für andere auf, ist immer zur Stelle, wo Not ist, nimmt sich immer Zeit für andere, bis dann eines Tages nichts mehr geht.

Wenn Krankheit, Alter oder Umstände es nicht mehr zulassen, anderen zu helfen, was ist dann? Man fällt in ein Loch! Ich habe alte Menschen kennengelernt, die nur noch klagten: „Mein Leben lang habe ich mich um andere gekümmert, und jetzt?“ Dahinter lauert immer die Frage: Was ist meine Identität, wenn ich nicht mehr kann? Habe ich dann keine Berufung mehr?
Es gibt unzählige Wege, auf denen man seine Berufung leben kann. Das Problem dabei ist, dass du auf unzählige Art und Weise deine Berufungen zwar leben kannst, aber du wirst darin nie deine eigentliche Berufung finden!
Alles was du tust - und wenn es noch so gut, erfolgreich und wertvoll ist, ist zu wenig, wenn du darüber deine Identität definierst.

Ein Auto ist nicht nur dann ein Auto, nur wenn es wenig Sprit verbraucht oder viele PS hat oder gar einen Elektroantrieb! Ein Auto ist immer ein Auto, wenn es ein Automobil ist, also ein Hilfsmittel, das mobil macht, das mich und mein Gepäck von A nach B bringen kann. Ein Auto ist dann ebenso die alte Rostschleuder, die gerade noch so über den TÜV kam, wie ein moderner Geländewagen mit Elektroantrieb!

Was bist du?
Wo findest du deine Berufung?
Was ist deine Identität, egal, ob du jung und hübsch - oder nur noch "und" bist?
In der Bibel, im Wort Gottes, finden wir eine glasklare Antwort darauf, was unsere ganz ureigentliche Berufung ist: Psalm 139,13-18
13 Gott, du bist es ja auch, der meinen Körper und meine Seele erschaffen hat, kunstvoll hast du mich gebildet im Leib meiner Mutter.  14 Ich danke dir dafür, dass ich so wunderbar erschaffen bin, es erfüllt mich mit Ehrfurcht. Ja, das habe ich erkannt: Deine Werke sind wunderbar!  15 Dir war ich nicht verborgen, als ich Gestalt annahm, als ich im Dunkeln erschaffen wurde, kunstvoll gebildet im tiefen Schoß der Erde. 16 Deine Augen sahen mich schon, als mein Leben im Leib meiner Mutter entstand. Alle Tage, die noch kommen sollten, waren in deinem Buch bereits aufgeschrieben, bevor noch einer von ihnen eintraf. 7 Wie kostbar sind für mich deine Gedanken, o Gott, es sind unbegreiflich viele! 18 Wollte ich sie zählen, so wären sie zahlreicher als alle Sandkörner dieser Welt. Und schlafe ich ein und erwache, so bin ich immer noch bei dir.

Was ist meine ureigentliche Berufung?
Warum lebe ich?
Warum gibt es mich?
Wer um alles in dieser Welt braucht mich?
Was ist meine Berufung, meine Identität?
Die Antwort auf alle diese Fragen finden wir bei dem, der uns erschaffen hat: Dem Gott, der sich uns in der Bibel vorstellt:
In Psalm 139 ist alles zusammengefasst, wie du deine ureigentliche Berufung finden kannst.
Vielleicht fragst du dich: Was hat die Bibel mit meiner Berufung, meiner Identität zu tun?

Ich hatte mir einen neuen Fotoapparat gekauft. Als ich ihn in Betrieb nahm, stellten sich mir viele Fragen: Wie geht denn das jetzt? So viele neue Funktionen: Wozu braucht man die? Ich habe gerätselt, ausprobiert, mich über den Hersteller geärgert… Irgendwann tat ich, was ich nur sehr ungern tue: Ich habe die Anleitung gelesen.

Und dann begriff ich nach und nach, was sich der Hersteller mit den neuen Funktionen gedacht hat und wie sie funktionieren. Ich entdeckte „die Berufung der Kamera“, warum sie wie gemacht wurde!

Durch das Lesen der Anleitung entdeckte ich spannende Funktionen. Je mehr ich nun daraus machte, um so spannender wurde es und um so besser wurden auch die Bilder. Jetzt konnte der Fotoapparat seiner "Berufung" gerecht werden.

Die Bibel enthält die Anleitung zum Leben. Der, der uns gemacht hat, beschreibt darin, warum er uns gemacht hat, was unsere Berufung ist und wie wir unsere Berufung leben können. In diesem Abschnitt aus Ps. 139 finden wir eine gute Zusammenfassung. Darin entdecken wir, warum und wozu es uns gibt, und wie wir unsere ureigentliche Berufung finden können:

1. In der Freundschaft mit Gott
Gott hat dich erschaffen. Er hat dich gemacht, weil er „Bock darauf hatte“, mit dir zu leben. Du bis (s)ein Unikat, ein ganz besonderes Exemplar, einzigartig gemacht!!
Gott hat ein Ja zu dir, egal, ob du dir gefällst, wie gut oder schlecht dir etwas gelingt, was die anderen über dich sagen, was deine Gefühle dir sagen, wie gesund oder krank du bist. Es ist sogar egal, wie es zu deiner Zeugung kam: Gott wollte dich. DU bis du. Wunderbar gemacht. Einzigartig und unverwechselbar.
Ja, Gott möchte mit dir in dieser Welt leben. Er kennt dich durch und durch, besser, als du dich selbst jemals kennenlernen wirst!
Genau aus diesem Grund kannst du deine Berufung auch nur

2. In der Abhängigkeit von Gott finden.
Dein Leben ist wie eine Autoreise durch völlig unbekannte, fremde Länder. Es gibt Kreuzungen ohne Hinweisschilder, wohin es in diese oder jene Richtung geht.

Ich liebe es, kleine Straßen zu fahren. Es gab in Oberfranken viele Schotterwege, manchmal mit, manchmal ohne Hinweisschilder.
Im Urlaub zwischen Nord- und Ostsee habe ich ebenfalls viele solcher Straßen gefunden, die man gut fahren konnte und durfte. Dort gab es an den Kreuzungen keine Wegweiser. Ohne mein Navi hätte ich nie gewusst, in welche Richtung ich jetzt abbiegen muss. Ich war da völlig abhängig von ihm!

In unserem Leben ist das nicht anders. Ohne Navi bist du aufgeschmissen. Das Navi zeigt dir, wo du stehst und wo der Weg zum Ziel lang geht. Wenn Du den Weg verlassen hast, ist es das Navi, das dir wieder neu den Weg zeigt, auf dem du weiterkommst.

Genau das tut Gott. Er kennt deine Berufung. Er weiß, wo du gerade unterwegs bist. Er weiß, wo du dich verlaufen hast. Er ist dir in Jesus so nahe gekommen, um dir aus allen Verirrungen und Verstrickungen deines Lebens herauszuhelfen. Er zeigt dir, wie du mit Jesus dein Leben leben und gestalten kannst.
Du brauchst IHN, um vorwärts zu kommen. Denn ER hat den Überblick. Er kennt deine Vergangenheit. Er weiß alle deine krummen Wege und Dinge, die du getan hast. Darum bietet er dir in Jesus eine umfängliche Vergebung und Neuausrichtung an. Er, dein Schöpfer, möchte dich zum Ziel bringen will. Er möchte mit dir das Ziel erreichen, zu dem er dich geschaffen hat.
DAS ist die Grundlage deines Lebens, zu dem Gott dich gemacht hat.
DAS ist das Leben, zu dem du berufen bist.
Nur in dieser Berufung wirst du Antworten zu dir und deiner Identität finden, die du nirgends anders bekommen kannst.
Es kann dir nichts besseres passieren, als wenn du dich total abhängig von Gott machst, dich von ihm aus jedem Irrweg führen lässt.
Bei Navis kann man sich nicht immer so sicher sein, dass das auch wirklich klappt - aber bei Gott kann ich es dir garantieren. Er irrt nie.

Noch ein Drittes, wie du deine Berufung finden kannst:


3. Als Kind Gottes
Im Psalm 139 heißt es:
7 Wie kostbar sind für mich deine Gedanken, o Gott, es sind unbegreiflich viele! 18 Wollte ich sie zählen, so wären sie zahlreicher als alle Sandkörner dieser Welt. Und schlafe ich ein und erwache, so bin ich immer noch bei dir.

Das ist für mich eine perfekte Beschreibung für ein super Eltern - Kind - Verhältnis. Ein Kind versteht die Welt oft nicht. Es kann Zusammenhänge nicht erfassen. Alles Wissen, alle Erkenntnis reicht nicht aus, um richtig vorwärts zu kommen. Ein Kind baut oftmals richtig Mist, wird schuldig und kann selbst nicht wieder in Ordnung bringen, was es im Zorn oder Ärger kaputt gemacht hat. Dennoch ist das Kind bei seinen Eltern zu Hause. Ein Kind vertraut seinen Eltern. Ein Kind glaubt seinen Eltern. Ein Kind darf auch nach schlimmsten Taten zuhause einschlafen und getrost am Morgen aufwachen. Die Liebe der Eltern gibt Sicherheit, Geborgenheit und Anleitung zum Leben.

Dasselbe gilt auch für dich. In Jesus Christus hat Gott einen Weg geschaffen, in dem du ein Kind Gottes sein und bleiben darfst. Wer Jesus Christus vertraut - Vertrauen ist ein anders Wort für Glaube - findet seine ureigentliche Berufung, zu der er erschaffen wurde:
Eine lebendige Beziehung zu dem Gott, der unsere Welt gemacht hat. Du bist berufen, um in Beziehung mit Gott in Jesus Christus zu leben. Wie das geht, das alles verrät uns die Bibel. Das ist der Schlüssel für dein Leben. Es ist die Antwort auf die Frage: Wozu bin ich berufen, was ist meine Identität, was ist der Sinn meines Lebens?

Wenn du an Jesus dein Leben festmachst, bekommst du Gott als Vater und hast deine wichtigste, deine „ureigentliche Berufung“ gefunden: Die Berufung, aus der sich alle anderen Berufungen ableiten und gestalten lassen.
Darum musst du diese Frage als Erstes geklärt haben, ehe du die Frage stellst: Wie kann ich meine Berufung leben? Denn diese Berufung, „wie“ du dein Leben leben kannst, die wechselt mehrmals im Leben - mit jeder Altersphase musst du neue Antworten finden; wie z.B. die Berufung,  Schüler, Berufstätiger, Rentner, Eltern oder Single zu sein, diese gehen immer einmal zu Ende!

Wenn du aber deine grundsätzliche, oder „ureigentliche Berufung“ gefunden hast, bist du nicht mehr davon abhängig, wie erfolgreich du deine anderen Berufungen leben kannst. Denn am Ende zählt deine Berufung in die Gemeinschaft mit Gott, aus der sich alle deine anderen Berufungen ableiten lassen.
Walter Undt

Das ist eine Abschrift der ersten von zwei Predigten zum Thema „Berufung“. Beide Predigten können auch unter http://berufung.lebensbrot.de angesehen werden.